Review: Herzog

Besser später als nie: Im Januar dieses Jahres strahlte RTL die Sitcom „Herzog“ mit Niels Ruf in der Hauptrolle aus. Mangels schlechter Einschaltquoten wurde sie jedoch nach gerade mal 3 von 8 Folgen abgesetzt. Doch passt das überhaupt zum Ruf (Niels Ruf, höhö) der Serie? Quadatsch meldet sich verspätet mit einem Review!

Der lustige Mann von Kamikaze
Ist Ihnen der Name Niels Ruf ein Begriff? Eher Jugendliche dürften den Fernsehmoderator noch vom damaligen, heute nicht mehr bestehenden, Musiksender „Viva Zwei“ kennen. Von 1998 bis 2001 lief dort das einstündige Format „Kamikaze“, in welchem sich stets ein prominanter Gast den Fragen von Ruf stellte. Darüber hinaus wurden Einspieler gezeigt, in welche er außerhalb des Studios Prominente und ahnungslose Passante auf die Schippe nahm. Seine provokante Art sorgte für viel Wirbel und wegen angeblichen Witze über eine an Hautkrebs erkrankte Kollegin wurde das Format 2001 aus dem Programm genommen. Ich persönlich wurde erst zu spät auf die Sendung aufmerksam. Schade, da mich der Humor von Ruf überzeugte. Aber echte Klassiker wie Niels Ruf beim Grand Prix und Niels Ruf bei der Cebit kann man sich ja zum Glück noch bei YouTube immer wieder ansehen. Nach „Kamikaze“ wurde es eher ruhig um ihn. Bei RTL 2 moderierte er kurzzeitig die Clip – Show „Dumm erwischt“ und im Film „Wie die Karnickel“ hatte er eine kleine Gastrolle. Erst 2006 mögen viele Fans von einem richtigen Comeback gesprochen haben, als seine eigene Late Night – Sendung, „Die Niels Ruf Show“, an den Start ging. Allerdings kam man nur als Abonennt von Sat 1 Comedy in den Genuss. Im Juli 2007 betrat Niels Ruf Neuland, als die Dreharbeiten zu „Herzog“, einer Sitcom mit ihn in der Hauptrolle, ihren Anfang nahmen. Es wurden ein Pilot sowie 8 Folgen gedreht. Ab dem 18. Januar 2008 war es dann soweit: RTL strahlte immer freitags, ab 21.45 Uhr, eine Folge des Formats aus. Im Vorfeld wurde in den Medien schon diskutiert, ob die Sitcom Perspektive hätte und sich bei Spitzen – Formate seines gleichen, wie „Stromberg“ und „Pastewka“, einreihen könnte.

Folge 1: Anwalt der Liebe
2,27 Millionen Zuschauer ließen sich wie ich nicht die Auftaktsfolge am 18.01.2008 entgehen. Hier geht Scheidungsanwalt Simon C. Herzog (Niels Ruf) gegen die Kirche vor, da sie Jutta (Anett Helfort), die Schwester von Gaby(Susanne Schnapp), feuern will, wenn sie einen geschiedenen Mann (Arne Lenk) heiratet. Erste Eindrücke sind meist wichtig und das gilt meines Erachtens auch für Serien. Die 1. Episode bietet jedenfalls genügend Humor und macht bestens mit den Charakteren vertraut – allen voran mit dem Titelheld. Durchaus kann man ein paar Parallelen zu „Kamikaze“ ziehen, da sich auch die Rolle des Herzogs als – auf gut deutsch gesagtes – „Arschloch“ kennzeichnet, mit derben Humor durch Bemerkungen wie „Komm geh‘ raus und zähl‘ die Knoten in deiner Brust“. Aber gerade die Streitereien zwischen Herzog und Gaby sehe ich am amüsantesten. Desweiteren gibt es in dieser Episode reichlich Gags, die sich durch den Plot ziehen. Dazu zählt der 5 Tage – Bart von Bernd (Stephan Bieker), den seine Frau gefällt (Herzog zu ihr: „Du wirkst schon wieder total ungefickt, wo dir doch Bernd jeden Samstag mit seinen süßen Waschstoppeln die Muschi schwielig wird.“), ein Unbekannter, der den Anwalt zu Beginn und Ende der Folge ins Gesicht schlägt, sowie das angebliche Klischèe, dass Dunkelhäutige „einfach anders“ riechen. Mag für manche jetzt vielleicht einfach nur geschmacklos klingen, aber das ist der teilweise schwarze Humor, durch den sich die Sitcom auch profiliert. Wirkt auch nicht so platt, wie manch andere RTL – Serien („Angie“ lässt grüßen!).

Niels Ruf bei „Schmidt & Pocher“
Zwischen den Ausstrahlungen der ersten und zweiten Folge war Niels Ruf am 24.01.2008 bei der ARD – Latenight – Show „Schmidt & Pocher“ zu Gast. Stolz verkündete er, dass „Herzog“ am vergangenen Freitag „Tages – Zweiter in dem Slot“ mit 11,2 % Marktanteilen wurde und sich nur vom Film „Transporter“ auf Pro 7 geschlagen geben musste. Dennoch meinte er zugleich schmunzelnd, dass man nicht so genau weiß, ob am nächsten Tag die nächste Folge ausgestrahlt werden würde. Außerdem entschied sich RTL für eine leichte Umstrukturierung. Dazu ergab sich folgender Dialog:

Niels Ruf:Die eigentliche Folge, die jetzt gelaufen wäre, da geht es um einen Metzger und da wurde gesagt: ‚Also in der 6. Minute taucht dieser fette, hässliche Metzger auf. Da schalten uns die Weiber weg.‘
Oliver Pocher:Ich sag mal so: Samstag funktioniert das fünf Stunden!

😀😀 Wer sich jetzt immer noch nichtsahnend an den Kopf fasst, den kann ich an dieser Stelle nur mal auf „Schlag den Raab“ hinweisen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs mit Olli und Harald Schmidt gab Ruf bekannt, dass stattdessen der Pilot gesendet werden soll.

Pilot: Ein armes Würstchen
Handelt es sich nun wirklich um den Pilot oder doch um die 2. Folge? Es kommt nämlich ein Metzger vor, der aussieht wie Jimmy Hartwig mit etwas mehr auf den Rippen, aber durchaus wirkt die Episode wie eine „Romantic – Comedy“, wie Herzog die Pilotfolge beschrieb. Die bildhübsche Vanessa Berg (Zora Holt) hat es dem Scheidunganwalt dabei angetan. Als alter Macho schubste er zuvor eigentlich jede Frau nach dem ersten Sex von der Bettkante. Bei ihr ist es jedoch anders und das erkennt auch sein Kumpel Bernd sowie seine Frau Gaby. Ich muss zugeben, dass ich auch an dieser Episode Gefallen gefunden habe. Dennoch muss ich zugleich betonen, dass eine leichte Abschwächung zur Episode der Vorwoche vorliegt. Zwar gibt es wieder gelungene Szenen (Der Polizei – Stopp / Das Ende mit dem vermeintlichen Blumenstrauß) sowie spitze Dialoge ( „Verliebt?“ – „Brustkrebs?“ / „Simon, wenn ich dir irgendwie helfen kann?“ – „Was ist das denn für ein schwuler Vorschlag?“), aber dennoch hätte man sich vielleicht mehr leichtfertige Missgeschicke für den Protagonisten gewünscht, so wie man es halt bei einem Bastian Pastewka oder Bernd Stromberg kennt. Das Simon aber ganz der Alte ist, wird gegen Schluß zum Glück deutlich („Leck mich!“ – „Erstens ist das kein Argument und zweitens jeder Zeit!“)

Folge 3: Der Kinderschreck
Nach leichtem Nachlassen hielt ich die 3. (?) Episode der Sitcom wieder für eine Steigerung. Gaby muss ins Krankenhaus und da so ihr noch 8jähriger Sohn Jan über keinen Erzieher verfügt, fragt ihr Mann Bernd, ob Simon nicht auf ihn aufpassen könnte und seine Geburtstagsparty planen kann. Simon kann zwar keine Kinder leiden, aber damit kann er sich als Vater ausgeben und eine Klientin zurück gewinnen sowie den Fall einer Homosexuellen – Scheidung an Bernd abgeben. Die Folge ist klasse! Wieder einmal sorgt Herzogs große Schnauze für einige Lacher. Hierbei werden Sprüche gegen sämtliche Randgruppen rausgehauen, die er nicht leiden kann: Kinder, Übergewichtige und Homosexuelle („Und dann klamüsern sie aus, wer von Ihnen Beiden die Frau ist und dann kommt diejenige wieder und die vertrete ich dann.). Darüber hinaus wird der Zuschauer wieder mit neuen Seiten konfrontriert. So erfahren wir durch Hagen Herzog (Michael Greiling), dem Vater von Simon, etwas über die schwere Vergangenheit des Scheidungsanwalts. Auch ist es ungewohnt, wie Simon und Gaby plötzlich miteinander klar kommen, als Gabys Testergebnisse feststehen („Wenn du Krebs hast, bist du viel erträglicher.“). Zu den Highlights der Episode zählt für mich jedenfalls die Sitzung, bei dem Hagen Herzog mit allen Angestellten, die Geburtstagsparty plant und solch eine Macht ausstrahlt, dass fortan alle Kinder der Mitarbeiter für die Feier dabei sind („Ja, aber meine Töchter sind schon an der Uni … aber sie kommen bestimmt gern!“).

Zukunft und Fazit
Nach den 3 Episoden war schon Schicht im Schacht. Da die Quoten immer weiter sanken und so die letzte Episode nur 9,5 Prozent Marktanteil erreichte, entschloss sich RTL „Herzog“ mit sofortiger Wirkung aus dem Programm zu nehmen. Der Sender gab zudem an, nach einem „männer-affinen Sendeumfeld“ Ausschau zu halten, wo die restlichen Episoden ausgestrahlt werden könnten. Ob das nur Gefasel war oder tatsächlich was dahinter steckt, ist ungewiss. Bis jetzt, über 4 Monate nach der Einstellung, gibt es diesbezüglich jedenfalls keine weiteren Informationen. Schade eigentlich, denn die Sitcom hatte meines Erachtens ein wirklich großes Potential. Der Humor war bissig, die Schauspieler zutreffend und die Plots einfallsreich. Die Quoten stimmten zwar nicht, aber auch Serien wie „Mein neuer Freund“ und „Stromberg“ zeichneten sich nicht immer mit zufriedenstellenden Zahlen aus und hatten dann doch noch ein Zukunft. Wäre also kein falscher Schritt, die Serie fortsetzen und/oder sie auf DVD zu veröffentlichen. Mein Entschluss: Ich gebe „Herzog“ 9 von 10 Quadatsches.

Eine Antwort zu Review: Herzog

  1. […] Erscheinungstermin ist der 13. Juli 2009. Unsere treuen User erinnern sich bestimmt noch an mein Herzog-Review vor ungefähr einem Jahr. Okay, so was wie treue User haben wir eigentlich gar nicht, aber wir […]

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